Braucht man eine spezielle Modellflugzeug-Versicherung für Fluggeräte wie die AR.Drone oder den DJI Phantom?

Von den kleinsten Schaumwaffeln über die AR.Drone bis zu großen Verbrennermodellen. Heute kann man alles im Laden kaufen. Dass man für alle Flugmodelle eine spezielle Versicherung benötigt erfährt man – wenn überhaupt – höchstens am Ende der Anleitung.

Es ist aber wahr: auch wenn DJI Innovations und Parrot es nicht erwähnen, für den DJI Phantom und die AR.Drone benötigt man einen Versicherungsschutz. Eine normale Haftpflicht reicht nicht aus.

Aber was kann denn wirklich passieren, wenn etwas passiert?

Was passiert wenn ein Fluggerät aus großer Höhe auf eine Person oder ein, auf der Straße fahrendes Auto fällt, kann sich jeder selbst ausmalen. Ob etwas passiert bzw wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass etwas passiert kommt drauf an – und zwar vor allem auf die Risikobereitschaft des Piloten.

Ein Pilot hat die Verantwortung zu beurteilen ob sein Modell in einem guten Zustand ist, ob er den Flugeigenschaften gewachsen ist, ob und wie Wetter und Umgebung eine Rolle spielt. Wenn wir uns mal zwei Ausgangssituationen zum Einstieg anschauen, werden wir erkennen, dass die Risikobereitschaft und damit die Gefahr beim Fliegen von Pilot zu Pilot zumindest „variiert“.

1. Situation: ich hatte die AR.Drone schon bestimmt 200 Stunden in der Luft und gehe an einem sonnigen, windstillen Nachmittag auf den Modellflugplatz der etwas abgelegen und dafür ausgewiesen ist. Kommt etwas in die weichen Propeller der AR.Drone stellt der Motor umgehend ab.

Die Akkus sind voll, ich mach zuerst ein paar vorprogrammierte Flugmannöver weil sich ein paar Zuschauer hinter den Fangnetzen angesammelt haben. Dann ziehe das Teil hoch um ein paar schöne Luftaufnahmen zu machen.

2. Situation: Fridolin Sorglos hat sich gerade einen großen MultiWii Quadrocopter zusammen gebaut. Natürlich benutzt er die harten Vollcarbon-Propeller weil er irgendwo gelesen hat, damit die beste Performance zu erhalten. Kommt etwas in diese Propeller, gibt es Fingersalat, und hey natürlich fliegt er mit einem 4S Lipo. Denn alles andere ist für Mädchen!

So einen Quadrocopter hat er zwar noch nie gesteuert aber am Simulator kann er alle Helis vorwärts, rückwärts und auf dem Kopf fliegen. Er will ihn an einem windigen Nachmittag im Park bei ihm um die Ecke hochziehen um ihn laut seiner Aussage dann mal zu trimmen. Schon während dem Auspacken des Quadrocopters sammelt sich eine Traube neugieriger Kids um ihn, die das ungewöhnliche Aussehen des Fluggeräts bestaunen.

Den gewieften Leser von drone-forum.de dürfte inzwischen schon klar sein, dass obwohl sich beide im legalen Bereich bewegen, es in der 2. Situation viel mehr Gefahrenpotenzial vorhanden und die Wahrscheinlichkeit für Sach- und Personenschäden deutlich höher ist.

Vor einem technischen Defekt ist man in beiden Situationen nicht gefeit und damit kommen wir auch gleich zu den Ursachen für Unfälle.

Technischer Defekt

Einen technischen Defekt kann man leider nie ganz ausschließen, höchstens durch Kontrolle vorab minimieren. Kann sowohl auf Senderseite als auch auf Empfängerseite passieren. Akkus können den Geist aufgeben, Propeller brechen, Schrauben sich lösen, irgendwas abfallen, Technik kann versagen, Software in einen Zustand geraten indem sie unerwartet reagiert oder gar nichts mehr macht.

Einen Quadrocopter wie die AR.Drone oder den DJI Phantom kann man dann im Gegensatz zu einem Flächenmodell nicht mehr notlanden, er kommt dort wo er ist runter und schlägt irgendwo ein.

Selbstüberschätzung

Ein Umfangreiches Stichwort, die AR.Drone und auch der DJI Phantom sind so stabil und machen es einem leicht sich selbst zu Überschätzen:

Zu hoch, zu weit weg, zu schnell, zu viel Wind, zu schlechte Sicht, Fluglage nicht erkannt, zuviel gequatsch oder einfach den Mädels im Park hinterher geschaut. Wenn etwas ist, dann war es entweder ein softwaremässiger „Fly-Away“ oder ein Ausfall bedingt durch die Hardware. Die wenigsten geben zu, dass sie etwas über ihre Verhältnisse geflogen sind oder mit der aktuellen Situation überfordert waren.

Welche Versicherungen gibt es?

Es gibt zwei große Versicherungen die sich etabliert haben. Die DMFV und die DMO.

DMFV – Deutscher Modellflieger Verband
Versichert nur Flugmodelle, in Vereinen gern gesehen, grüne Wiese nur mit Zusatz. Grundsätzlich kein gewerbliches Fliegen, muss extra gemacht werden. Rechtsschutz. Großer Verband, Zeitschrift. Quasi Pflicht bei allen Vereinen auf grund der Kontrolle der Zahlungen.

Die Webseite des DMFV: http://dmfv.aero/mitgliedschaft/

DMO – Deutsche Modellsport Organisation
Versichert neben Flugmodellen auch Andere: Schiff, Auto, Flug, eher die Wildflieger, grüne Wiese ohne Zusatz. Bietet Tarif für gewerbliches Fliegen bzw Firmen. Rechtsschutz.

Die Webseite der DMO: http://www.deutsche-modellsport-organisation.de

Theoretisch über andere Anbieter auch möglich, werden hier aber nicht mehr weiter behandelt. Ein großer Verband bietet immer die besseren Konditionen. Ein guter, unabhängiger Versicherungsmakler wird dir das vermutlich auch so sagen. Mit anderen Versicherungen sind endlose Diskussionen auf Plätzen vorprogrammiert die unter Umständen damit enden, dass du nicht fliegen wirst.

Vorteile / Nachteile der DMFV und DMO

Welche du von den beiden auswählst, bleibt Geschmacksache. Mein Tipp zur Wahl der Versicherung: wenn du vor hast mal in einen Verein zu gehen, wird sich jetzt schon die DMFV anbieten, ansonsten eher die DMO. In Vereinen ist es oft so, dass die Versicherung bei der DMFV quasi vorgeschrieben ist auch wenn es nach außen hin lockerer rüberkommen soll.

Das Grundproblem dabei: es muss bei Vereinen einfach sicher gestellt werden, dass die Mitglieder versichert sind. Das machen die in der Regel durch gemeinsames Bezahlen der Versicherungsbeiträge aller Mitglieder. Für einzelne Mitglieder immer eine Extrawurst kochen geht zwar, nervt die Leute die sich (freiwillig) darum kümmern verständlicherweise. Schließlich wollen die auch lieber fliegen als sicherzustellen, dass auch der Hans Wurst bei der Dingsbums-Versicherung seinen Beitrag gezahlt hat und nächstes Jahr zahlen wird.

Theoretisch über andere Anbieter auch möglich, aber ein Verband bietet immer die besseren Konditionen. Ein guter, unabhängiger Versicherungsmakler wird dir das vermutlich auch so sagen.

Außerdem sind bei anderen (unbekannten) Anbietern die Diskussionen zumindest auf zugelassenen Plätzen und auch in Foren 😀 vorprogrammiert. Diese Diskussionen enden dann unter Umständen damit, dass du nicht fliegen wirst.

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